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Assessment Center

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Das große Unbekannte: Was dich im Assessment Center erwartet.

Als das Telefon morgens um 11 Uhr klingelt, rechnet Paul noch nicht damit, dass er heute einen großen Schritt in Richtung Zukunft unternehmen wird. Vier Wochen ist seine Bewerbung bei einer Kölner Versicherungsgesellschaft jetzt her und außer einer kurzen Bestätigung hat er noch nichts weiter gehört. Die Dame am Telefon ist sehr freundlich und lädt Paul nun zu einem Assessment Center ein. In drei Wochen ist es soweit. Als Paul auflegt, mischt sich in die Freude auch Unsicherheit – Was ist bloß ein Assessment Center? Was wollen die da von mir sehen? Wie muss ich sein, was soll ich anziehen?

Wirst du zu einem Assessment Center – einem Einstellungstest in der Gruppe – eingeladen, hast du die erste Hürde auf deinem Weg in ein Unternehmen schon genommen.

Assessment Center als Auswahlveranstaltung für Auszubildende findet man meistens in den großen Unternehmen, wie z.B. Banken, Versicherungen, bei international agierenden Groß- und Mittelständlern oder auch im öffentlichen Dienst. Auch Private Hochschulen suchen ihre Studenten oft bei großen Assessment Center-Veranstaltungen aus. Kleinere Unternehmen ziehen meist „normale Bewerbungsgespräche“ vor.

Was unterscheidet ein Assessment Center von einem Bewerbungsgespräch?
Ganz kurz und knapp: In einem Bewerbungsgespräch hast du wenig Zeit, um das Beste an dir zu zeigen - und damit sind nicht etwa deine tollen Socken gemeint. Die meisten Assessment Center dauern einen ganzen Tag, im späteren Berufsleben und in bestimmten Branchen werden die Veranstaltungen auch schon einmal mehrtägig. Bei einem Assessment Center triffst du zwischen 6 und 12 Mitbewerber – ein bisschen mehr, als in einem exklusiven Bewerbungsgespräch.

Im Assessment Center möchte das Unternehmen herausfinden, welcher der vielen guten Bewerber für die Stelle am besten geeignet ist. Hier spielen sowohl deine Persönlichkeit als auch deine Kompetenzen und deine Motivation eine Rolle.

Paul wird im Assessment Center auf 8 weitere Bewerber treffen. Sie haben alle ähnliche Qualifikationen – einen guten Realschulabschluss oder Abitur und fast alle auch schon ein Praktikum gemacht.

Erstmal schick machen.
Natürlich stehen zuerst dein Auftreten und deine Gesamterscheinung im Mittelpunkt – das ist das Erste, was man von dir sieht. Achte also grundsätzlich auf saubere, ordentliche Kleidung, geputzte Schuhe und eine geordnete Frisur. Für Mädchen gilt: kein starkes Make-up oder auffälligen Schmuck tragen und den Minirock am besten im Schrank lassen.

Paul hat sich für eine dunkle Jeans ohne Löcher entschieden, dazu die neuen schwarzen Schuhe, ein dezent gemustertes Hemd und ein Sakko angezogen. So fühlt er sich wohl und nicht overdressed.

Wie läuft ein Assessment Center ab?
Im Assessment Center möchte das Unternehmen Antworten darauf finden, was du für ein Mensch bist und ob du ins Unternehmen passt. Das heißt, es geht einerseits um Wissen. Aber auch deine Einsatzbereitschaft und solche Sachen wie Teamfähigkeit, Sprachgewandtheit und dein Verhalten unter Stress werden unter die Lupe genommen. Dabei geht es nicht darum, perfekt zu sein. Die Unternehmen suchen den bestmöglichen, passenden Bewerber.

Im Assessment Center gibt es vier Bereiche:
  • schriftliche Persönlichkeits- und Wissenstests
  • Gruppendiskussionen
  • Rollenspiele
  • Präsentationen
Die Teilnehmer werden während der Tests von Beobachtern begleitet, die sich oft auch Notizen machen. Das ist ganz normal, schließlich müssen sie eine große Gruppe im Blick behalten und am Ende jeden Einzelnen bewerten.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Personalleiter bekommen Paul und die anderen Bewerber einen Wissenstest. In einer Stunde soll er 10 Seiten Aufgaben lösen. Paul kommt das erste Mal ins Schwitzen und blättert den Test durch. Puh. Da ist nicht nur Mathe dabei, sondern auch Geschichte und irgendwas mit Fremdwörtern. Naja, ich fange mal an, denkt er. Vielleicht ist ja alles nur halb so schlimm... Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei und der Personalleiter verteilt zusammen mit zwei Mitarbeitern Zettel mit neuen Aufgaben. Diesmal müssen die Bewerber zwei Gruppen bilden und eine Debatte zum Thema „Krank werden darf nicht teuer sein“ vorbereiten. Die Gruppen sollen jeweils entweder die Pro- oder die Contra-Position einnehmen und diskutieren. Während der ganzen Diskussion machen sich die Mitarbeiter des Personalleiters Notizen. Paul ist immer noch nervös. Nach der Debatte ist endlich Mittagspause.

Und jetzt lecker Mittagessen...
Die kleinen Pausen zwischendurch sind jedoch nicht zur Entspannung da. Auch hier wirst du beobachtet, um dein „wahres Selbst“ zu erwischen – bei den Tischmanieren, dem Auftreten in der Öffentlichkeit oder den Gesprächsthemen. Schlürfen, kleckern und über das Essen meckern ist hier nicht erwünscht.

Am Nachmittag geht es für die Bewerber in die nächste Runde. Diesmal müssen sie zusammen eine Aufgabe erfüllen: Die Gruppe bekommt zwei Eier, 20 Trinkhalme und Klebeband. Zusammen sollen sie in einer Stunde eine Lösung entwickeln, wie sie die Eier heil aus dem ersten Stock des Gebäudes auf die Rasenfläche vor dem Haus befördern. Das ist eine Aufgabe für Paul! Am liebsten tüftelt er an solchen kniffeligen Lösungen. Aber auch die anderen Bewerber haben gute Ideen und so entbrennt eine Diskussion zwischen Paul und Matthias, in der beide ihre Lösung durchsetzen wollen...

Und die Persönlichkeit?
Natürlich ist es normal, dass du nervös bist und zeigen willst, was du kannst. Gefragt sind solche Eigenschaften wie Natürlichkeit und Selbstsicherheit. Wenn du anderen zuhören oder zwischen zwei Parteien vermitteln kannst und andere ernst nimmst, zeigst du Teamfähigkeit. Auch Toleranz und bedingte Nachgiebigkeit bekommen gute Noten. Knappe und sachliche Beiträge und eine klare Aussprache sowie Kompromissbereitschaft sind absolut erwünschte Eigenschaften.

Nicht optimal bewertet werden Verhaltensweisen wie Albernheit, kichern, Aggressivität und Starrsinn, anderen ins Wort fallen oder lange Monologe halten. Auch übertriebene Selbstsicherheit, immer nur Ja-Sagen oder Einzelkämpfertum und sich nicht auf Kompromisse einlassen, weil deine Meinung ganz oben steht – das schießt dich ins Abseits.

Dummerweise hat die Gruppe beide Eier kaputt gemacht – sie haben nach einer Stunde Diskussion und dem Bau einer abenteuerlichen Konstruktion den Sturz aus dem ersten Stock nicht heil überstanden. Aber darüber wird nicht lange geredet, alle bekommen direkt die nächste Aufgabe. Diesmal haben sie eine halbe Stunde Zeit, eine Präsentation vorzubereiten, in der sie dem Personalleiter und seinen Mitarbeitern ihr liebstes Hobby zeigen dürfen. Paul legt los – er liebt den Eishockeyverein seit er zehn ist und brennt darauf, ausführlich darüber zu sprechen und zu zeigen, was er dort schon alles gemacht hat Die Präsentation läuft gut, Pauls Nervosität vom Vormittag ist verflogen. Die Fragen des Personalleiters beantwortet er begeistert, schnell und ausführlich. Nur einmal wird er nervös, als er den roten Faden verliert und kurz stottern muss.

Am Abschluss des Assessment Centers steht in der Regel ein Einzelgespräch mit jedem Teilnehmer über den Verlauf des Tages. Meist erfährst du hier auch, ob du „bestanden“ hast und einen Ausbildungsplatz bekommst.

Als Paul in den Raum gerufen wird, ist die Nervosität vom Vormittag wieder da. Der Personalleiter lächelt freundlich. „Wie fanden Sie sich heute?“ fragt er Paul. „Ich war ein bisschen nervös heute Morgen“ sagt Paul, „aber ich glaube, dass ich alle Aufgaben so gut gemacht habe wie ich konnte.“ Der Personalleiter schweigt und sieht Paul an. „Ja“ sagt er, „Sie haben sich ganz gut geschlagen. Die Matheaufgaben haben Sie leider nicht alle gelöst. Und in der Gruppenarbeit waren Sie ganz schön forsch und haben die Leitung an sich gerissen. Aber Sie hatten gute Argumente in der Diskussion und Ihre Präsentation war lebendig und interessant.“ Paul beugt sich ein wenig vor und der Personalleiter reibt sich die Hände. „Wir haben entschieden, dass wir Sie gern am ersten August als Auszubildenden bei uns begrüßen möchten. Sind Sie dabei?“



Autorin: Beatrix Schmiedel

© by acara-online




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